
Gestern war ich bei der „Probe“ von Reeto von Gunten‘s neuer Tour Lugihüng. Naja, probiert hat er nicht viel, soweit ich das beurteilen konnte, hat eigentlich alles ganz gut geklappt.
Die letzte Tour von Reeto habe ich drei Mal gesehen, nicht, dass es so geplant gewesen wäre, es hatte sich einfach so ergeben. Und auch an die Tickets für die Probe im Mokka gestern bin ich eigentlich nur per Zufall gekommen. Aber die Zufälle meinen es eben immer gut mit mir. Und ganz anders auf seiner letzten iSee-Tour, wo Reeto Dias gezeigt hat, präsentieren sich die Bilder zu den Geschichten über die Lugihüng nur in den Köpfen der Zuhörer.
Eine Geschichte vorgetragen zu bekommen ist in jedem Alter schön, das ist es vermutlich, was diesen Anlass so wunderbar macht. Reeto erzählt von der Liebe, erst davon, wie sie geht, dann davon, wie sie kommt, und von Lügen, die ja immer irgendwie da sind. Er projiziert Dias in unsere Hirnrinde von einer ambitionierten Muschel, einem lustlosen Pandabären und einem Wurm, der eigentlich noch viel mehr ist. Und von diesen murpfligen Nacktelefanten, die, soviel sei verraten, an einem ganz besonderen Ort zu Hause sind. Und vor allem inspiriert Reeto von Gunten mit seinen Lesungen immer wieder, wenn er die Sprache formt wie Wachs in einer warmen Hand, wenn er Wörter festhält, weil sie wertvoller sind als jeder Besitz. Ich werde mich an der Nase nehmen und vermehrt die Worte, die in meinem Kopf herumgeistern, auf Zettel notieren und sammeln. Einfach so, weil sie eben kleine Schätze sind.
Ihr kennt die Suchbilder, auf denen man jedes Mal von Neuem etwas entdeckt, das einem bisher noch gar nicht aufgefallen war. So ist das auch mit Geschichten, und deshalb werde ich ein weiteres Mal den Erzählungen von Reeto von Gunten‘s Lugihüng horchen.
Nicht, dass ich mir hier jetzt herausnehme, euch irgendetwas zu empfehlen, ihr seid selbst gross genug. Aber hey, das ist ein Blog, worüber sollte ich sonst schreiben?
E-Mails sind schnell, praktisch und kostenlos. Und sind uns heute irgendwie am nächsten, wir fühlen uns im Internet zu Hause. Wir teilen unser Befinden auf Facebook mit, lernen neue Leute über Twitter kennen und finden vielleicht sogar unseren Partner im Internet. Lange E-Mails, ein SMS zu später Stunde, MMS satt Postkarte aus den Ferien. Doch wann habt ihr das letzte Mal einen Liebesbrief erhalten? Oder geschrieben? Das geschriebene Wort hat so viel Kraft. Dabei fällt mir aber auch auf, dass die Farbigkeit der Worte mehr und mehr verloren geht. Chats bestehen nur aus LOL und ROFL, bei twitter können nicht mehr als 140 Zeichen geschrieben werden. Stellt euch einmal einen Brief vor, in dem wir das, was wir zu sagen haben, derart abkürzen. Die gleichen Worte auf Papier haben eine ganz andere Wirkung als am Bildschirm. Eine „Liebes-E-Mail“ wäre irgendwie befremdlich für mich. Ich glaube, hier wird bald ein Wandel entstehen. Eine Entschleunigung hat bereits begonnen, immer mehr Menschen nehmen sich bewusst eine Auszeit vom Internet. Ich habe vor kurzen wieder meine alte, manuelle Kamera aus dem Schrank genommen und wieder angefangen, Filme zu belichten. Das Ursprüngliche erhält wieder einen ganz anderen Wert. Ein Pixel ist hart und kantig, unsere Handschrift ist weich und geschwungen. Ich würde mir wünschen, dass die Post ihren Service nicht weiter einschränkt, sondern diesem Bedürfnis nach der Ursprünglichkeit eines handgeschriebenen Briefes, das sicher nicht nur ich habe, probiert nachzukommen. Würden die Briefe schneller zugestellt, könnten sie mit dem E-Mail Verkehr mithalten. Vielleicht wäre eine Zusammenarbeit mit der SBB denkbar, mehrmals stündlich fährt ein Zug von Bern nach Zürich, ein Brief ist zwei Tage unterwegs. Aber vielleicht gehört auch das zur Entschleunigung: das gespannte Warten auf einen Brief.Dieser Satz stammt aus dem Buch „Gut gegen Nordwind“. Hier beginnt ein Mailverkehr und eine ganz besondere Liebe zwischen zwei Fremden, nachdem Emmi die Kündigung für ihr Zeitschriftenabo fälschlicherweise an die E-Mail-Adresse von Leo schickt. Wer wie ich intelligenten Liebesromanen nicht abgeneigt ist, sollte das Buch unbedingt lesen.

Ich habe gelernt, dass es immer wieder Momente gibt, in denen sich alles irgendwie ergibt, man ist zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Das ist dann wohl das, was gemeinhin als Schicksal bezeichnet wird.
Was auch immer dazu geführt hat: Ich arbeite nun (wie die meisten von euch wohl schon wissen) bei FashionFriends als Fotografin. Und seit kurzem darf ich für den neuen Modeblog meines Arbeitgebers schreiben.
Nun komme ich ja eigentlich nicht aus der Modebranche (abgesehen von meinen Ferienjobs während der Schule im Kleiderladen in dem meine Mutter gearbeitet hat) aber bin als Fotografin natürlich sehr nahe bei dem Trends. Ich habe gelernt zu beobachten und vorauszusehen, was für mich mit zu den schönsten Seiten an meinem Beruf gehört. Und ich schreibe sehr gerne, das war immer schon so. Für mich, an andere oder ein wenig beides.
Hier aber werde weiterhin über meine Themen schrieben. Vielleicht darüber, was sich auf dem Film befindet, der seit Jahren (ja, Jahren) in meiner FM2 ist. Oder über das eine oder andere Buch das ich gerade lese. Oder vielleicht fällt mir auch wieder eine Weile gar nichts ein und dann lasse ich es einfach bleiben.

Es gibt doch diese Dinge, die man einfach nicht beschreiben kann. Worte können nicht beschreiben, was man erlebt. Bilder vermögen nicht zu zeigen, wie es sich anfühlt, hier in dieser eigenen kleinen Welt mitten im Frühling.
Ein Abend im April an der Aare in Bern, Vorfreude, aber nicht die Art, von der man genau weiss, dass sie enttäuscht wird. Sie wird garantiert erfüllt werden. Das Broadway Variété startet die Tour immer in Bern, dort auf dem Platz beim Gaswerk ist man schon mittendrin in dieser anderen Welt. Der Weisswein zum Apéro prickelt hier besonders schön, Musik wird gespielt, und es gibt unglaublich viel zu sehen. Dann öffnen sich die Türen und man wird an den Platz geführt. Hier sind alle gleichermassen Schauspieler und Kellner, Sänger und Akrobat. Und ich bin ein Teil davon, und alles andere ist plötzlich nicht mehr wichtig. Im Broadway Variete werden die Sorgen einfach nicht eingelassen. Die Vorstellung, die draussen schon begonnen hat, nimmt ihren Lauf, einmal vorne auf der Bühne, einmal hoch oben an der Decke. Dazwischen gibt es ein himmlisches Menu aus 3 Gängen. Und immer wieder an diesem Abend erlebt man diese überraschenden, faszinierenden, atemberaubenden, lustigen Momente. Und dieser Tag ist dann immer der schönste des Jahres.
Niemand muss das Unbekannte fürchten, weil jeder Mensch das erreichen kann, was er will und was er braucht. Wir fürchten uns lediglich vor dem Verlust dessen, was wir besitzen, fürchten um unser Leben oder die Felder, die wir bestellt haben. Aber diese Angst vergeht, wenn wir begreifen, dass unsere Geschichte und die Geschichte der Erde von derselben Hand geschrieben wurden.
Paulo Coelho
(Der Alchimist)